Arbeiten mit Graukeilen

Was ist ein Graukeil

Ein Graukeil beschreibt einen Probedruck von Flächen die in gleichmäßigen Schritten von 0 % Schwarz bis 100 % Schawarz abgestuft sind. Es ist das einfachste und das aussagekräftigste Hilfsmittel, um die korrekte Belichtungszeit und Entwicklungszeit eines Motives festzulegen.

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Ein richtig belichteter Graukeil in 10 Stufen von 10 % Schwarz bis 100 % Schwarz. In diesem Fall habe ich am Computer den Schwarzpunkt von 100 % auf 83 % verschoben, auf Folie ausgedruckt und in Kontaktkopie belichtet und entwickelt. Die obere etwas längere Belichtung würde ich bei einer Unsetzung eines Motives verwenden, weil sich alle Tonstufen klar voneinander abzeichen (vor allem noch eine deutliche Abgrenzung von 90 zu 100 % Schwarz sichtbar ist) und das tiefste Schwarz im Druck sehr satt ist.

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Das Erstellen eines Graukeils

1. Öffnen Sie Photoshop

2. Gehen wir von einen Graukeil für eine Stufenbelichtung auf einer Fläche von DIN A4 aus. Legen Sie Ihr Format in A4 in 300 dpi, in Graustufen an.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.31.51

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3. Definieren Sie mit dem “Auswahlrechteck” eine großzügige Fläche, in der der Graukeil platziert werden soll.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.32.26

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4. Definieren Sie Hintergrundfarbe als 100 % Schwarz und Vordergrundfarbe als 0 % Schwarz. Mit dem Verlaufswerkzeug ziehen Sie durch Ihre Auswahl und erhalten einen gleichmäßigen Verlauf von Weiß nach Schwarz.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.33.04

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5. Dieser Schritt ist sehr wichtig. Klicken Sie über “Bild”>”Korrekturen” auf “Tonwertangleichung”. Jetzt werden die Tonwerte mathematisch richtig in der Auswahl verteilt, während das Verlaufswerkszeug die Tonwerte nur optisch gleichmäßig verteilt.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.33.15

Hier im Vergleich sieht man den Unterschied.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.33.28

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6. Klicken Sie über “Bild”>”Korrekturen” die Schaltfläche “Tontrennung”. Die Trennung in 10 Tonwerte ist ausreichend für eine gute optische Analyse. In diesem Fall geben Sie den Wert11 an.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.33.42

Die elfte Tonstufe ist weiß. somit ergeben sich zehn weitere Tonstufen in 10 %, 20 %, 30 % bis 100 % Schwarz. Sie können mit der Pipette und dem Infofenster die Tonwerte nachprüfen.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.33.54

Sie haben jetzt einen Grauakeil erzeugt der die Helligkeitstufen 10,20,30,40,50,60,70,80,90 und 100 % Schwarz anzeigt. Würde man diesen Keil jetzt auf Folie ausdrucken und auf eine fotoempfindliche Platte belichten, würden die Tonwerte 90 % und 100 % als weiße Flächen gedruckt werden und helleren Tonwerte im Druck zwischen 10 und 20 % dunkler dargestellt werden als sie am Bildschirm definiert wurden. Deshalb muß der Graukeil angepaßt bzw. aufgehellt werden.

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7. In meinem Fall habe ich gute Ergebnisse bekommen, wenn ich den tiefsten Schwarzpunkt auf 85 % Schwarz setze. Das kann man leicht erreichen in dem man die Kurve in “Gradationskurven” verändert.

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Alle Töne des Graukeils sind jetzt etwas heller als in der Vorlage definiert. Dieser Graukeil kann jetzt für eine Probebelichtung- und Entwicklung auf eine Transparentfolie ausgedruckt werden.

Bildschirmfoto 2013-05-20 um 17.34.32

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Lesen des Graukeils

Der gedruckte Graukeil gibt Ihnen genaue Informationen darüber, welche Einstellungen Sie vornehmen müssen, um ein gutes Druckbild zu erhalten. wenn Sie einen guten Graukeil drucken können wenden Sie genau diese Einstellungen auf Ihr Motiv an.

Beispiel 1: Stufenbelichung von Inkjetprinter ohne Pigmenttinte

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Drucker ohne pigmentierte Tinte haben das Problem, dass die gedruckten Filme wesentlich lichtdurchlässiger sind und die einzelnen Druckpunkte relativ stark verlaufen. Beim Belichten mit diesen Filmen brennen die hellen Stellen deshalb sehr schnell aus, wie in diesem Beispiel. Um zu einen einigermaßen brauchbaren Teststreifen zu gelangen würde man einen weiteren Streifen, bei den man sich ungefähr an den Werten aus der rot markierten Stelle orientieren würde, anfertigen. Das bedeutet aber auch, dass man dass Tonwertspektrum bis etwa 50 % des ursprünglichen zusammenstauchen würde und eine recht kurze Belichtungszeit verwenden müßte. Kurze Belichtungen machen die Belichtung von schwach deckenden Vorlagen möglich, verringern aber auch die Differenzierungen in den dunklen Bereichen. Lange Belichtungen sind hier nicht möglich, weil sonst, wie hier gut sichtbar die hellen Bereiche im Bild fast ganz verschwinden. Ein brauchbarer Film für eine fotographische Abbildung kann mit jedem Drucker hergestellt werden, allerdings muß meistens dafür das Bild sehr stark “gestaucht” werden, was in der Praxis bedeutet, dass schon kleinste Ungenauigkeit bei der Belichtung und Entwicklung der Druckplatte unschöne Ergebnisse ergibt.

Wenn sie einen Drucker besitzen, mit dem Vorlagen relativ lichtdicht in hoher Auflösung nicht möglich sind, ist es sinnvoll eine Doppelbelichtung mit Aquatintascreen vorzunehmen.

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Beispiel 2: Doppelbelichtung mit Aquatintascreen

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Dieser Teststreifen wurde mit dem gleichen Inkjetdrucker ohne Pigmenttinten erzeugt. Allerdings habe ich die Platte mit einem Aquatintascreen vorbelichtet. Man sieht eine deutliche Verbesserung im obersten Belichtungssegment mit der kürzesten Belichtungszeit. Mit dem dem Aquatintascreen konnte ich des druckbare bzw. gut belichtbare Spektrum von etwa 50 % auf gut 65 % erweitern. Der Aquatintascreen hilft also recht gut, wenn man mit Filmen arbeitet, die für die Kontaktkopie nicht wirklich geeignet sind. Allerdings sind die Kombinationsmöglichkeiten zwischen den beiden Belichtungen so groß, dass es sehr lange dauern kann bis man eine gute Einstellung gefunden hat.

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Beispiel 3: FM-Raster Imagesetter

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Das ist die Belichtung von einem FM-Raster, der im Imagesetter hergestellt wurde. Die Druckpunkte sind sehr klein und gleichzeitig lichtdicht. Abgesehen von den kleinen Verschmutzungen und Ungenauigkeiten im Druck ergibt sich ein sehr gutes Druckbild. Es gibt nicht sehr viele Anbieter, die FM-Raster auf Film anbieten, weil es dafür kaum kommerzielle Anwendung gibt. Auch weil man mit Imagesettern einen externen Anbieter mit den Arbeitsprozeß miteinbeziehen muß, was den Arbeitsprozeß wesentlich verkompliziert, geht der Trend weg von Filmen vom Imagesettern hin zu Pigmenttintendruckern, die Filme in beinahe gleich guter Qualität herstellen können.

Die Druckplatte wurde mit einen Imagesetterfilm mit feinem FM Raster erstellt. Sehr dichtes gutes Druckbild.

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Beispiel 4: Film von Pigmenttintendrucker

Bei diesem Graukeil sieht man, dass die Tonstufen sehr gut wiedergegeben sind, das Druckbild aber sehr unruhig ist.

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Das hat zwei Gründe. Zum einen habe ich für diese Testplatte das Anfangsstück des ImageOn-Film verwendet, das häufig kleine Beschädigungen durch Wärmeeinwirkungen zeigt, genauso wie die letzten etwa 30 cm des Films. Zum anderen war die Sodalösung etwas zu stark. Für diese feinen Aquantintaarbeiten verwende ich häufig eine Sodalösung mit geringerer Konzentration als empfohlen (z.B. 85 gr. auf 1 Liter Wasser) oder ich verringere die Entwicklungszeit von 9 Minuten auf 6 bis 7 Minuten, was das Druckbild auch sichtbar “beruhigen” kann. Hier ein Druck, der die Einstellungen des etwas zu hart entwickelten Graukeils übernimmt – alle Details sind gut sichtbar aber das Druckbild ist sehr unruhig.

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In dem folgenden Foto habe ich in den unteren Druckstreifen die “Ätzzeit” in der Sodalösung verringert und dadurch ein gleichmäßigeres Druckbild erhalten.

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Hier im letzten Bild habe ich die Konzentration der Lösung etwas verringert und die Platte für nur 6.30 statt 9 Minuten in der Sodalösung gelassen. Abgesehen von den markierten Druckfehlern ein sehr gutes Druckbild. Trotz der verringern Zeit im Sodabad wird immer noch ein sehr gutes Schwarz erzeugt.

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Zusammenfassung

Wenn Sie zuverlässige Ergenbisse erreichen wollen müssen Sie bei Beginn eines Arbeitstages einen Graukeil erstellen. Alle photopolymeren Druckmaterialien reagieren empfindlich auf Änderungen der Temperatur und der Luftfeuchtkeit. Auch der Inkjetdrucker erzeugt bei Änderung dieser Faktoren leicht abweichende Ausdrucke. Deshalb kann besonders bei extremen Wettersituationen der lichtempfindliche Film sehr überraschend reagieren.Für die Korrektur der Grautöne in einem Graukeil bzw. im späteren Bild haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Die Tonwertkorrektur. Im Menupunkt “Gradationkurven” oder “Tonwertkorrektur” können Sie die Tonwerte verschieben und mit der Pipette Ihre Verschiebungen genau messen. Sind helle Bildbereiche im Druck nicht mehr definiert können Sie den Weißpunkt des Graukeils heruntersetzten, um wieder Zeichnung in die Grautöne zu bekommen. Führen dunkle Bereiche zu offenen weißen Flächen, müssen diese heller eingestellt werden. Notieren Sie Ihre Änderungen genau, am besten auf den Probedrucken selbst. Wenn sie einmal eine “Kurve” für sich gefunden haben, wird diese mit dem gleichen Material immer ähnlich, aber nicht genau gleich, weil das fotoempfindliche Material auf Klimaschwankungen reagiert. Zur Zeit arbeite ich z.B. mit einem Schwarzpunkt der irgendwo zwisch 80 % und 87 % Schwarz liegt. Erst nach der Belichtung von Probekeilen kann ich entscheiden ob die hellere oder dunklere Variante zu guten Ergebnissen führt.
  • Die Belichtungszeit. Grundsätzlich gilt, dass längere Belichtungszeiten zu helleren Bildern führen und umgekehrt. Eine Stufenbelichtung ist der einfachste Weg, die richtige Belichtungszeit zu finden. Dabei wird der gesamte Graukeil mit einer Mindestbelichtungszeit von z.B 45 Belichtungseinheiten bestrahlt dann nacheinander Teilstücke des Graukeils abgedeckt und chronologisch mit z.B. zusätzlichen 10 Be belichtet. Der Graukeil wird sich dann stufenweiße im Druck heller zeigen, während maximale der Schwarzpunkt sich kaum verschieben wird. Die Stufenbelichtung gibt also gleichzeitig gute Informationen darüber, wo die richtige Belichtungszeit liegt um möglichst differenzierte Graustufen abzubilden und wo genau der maximal erreichbare Schwarzpunkt liegt.
  • Einstellen der Sodalösung. Ich weiß, dass Keith Howard, den man als Erfinder dieser Technik bezeichnen kann, dringend emphiehlt die Konzentration der verwendeten Sodalösung niemals zu ändern. Nach Keith Howard wird eine Sodalösung verwendet, die etwa 2/3 des ImageOn-Films nach 9 Minuten entfernt- in den meisten Fällen erreicht man das durch 10g Sodapulver auf 1 Liter Wasser. Häufig hatte ich bei Probedrucken ein sehr unruhiges Druckmotiv und habe das auf Probleme mit der Kontaktkopie zurückgeführt. Durch Zufall habe ich herausgefunden, dass ein schwächeres Sodabad oder kürzere Entwicklungszeiten im Sodabad auch zur Beruhigung des Druckbildes führt. Deshalb verwende ich derzeit schwächere Sodabäder mit eta 8g Soda auf 1 Liter Wasser.

Für ein gutes Druckbild müssen diese drei Faktoren aufeinander abgestimmt werden. Wenn Sie gerade beginnen mit einem neuen Drucker zu arbreiten, also alle Einstellungen neu herausfinden müssen, kann das sehr langwierig sein. Wenn die Einstellungen allerdings gefunden sind sollten Sie nach zwei bis drei Graukeildrucken Ihre Einstellung für den Tag gefunden haben und können dann sehr zügig nacheinander mehrere Druckplatten herstellen.

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