Das perfekte Schwarz

Der Druck von schwarzen Flächen nimmt im künstlerischen Tiefdruck eine Sonderstellung ein, weil die Flächen im Gegensatz zu anderen Druckverfahren aufgerastert werden müssen. Um ein fotographisches Motiv möglichst plastisch erscheinen zu lassen ist es Ziel jedes Druckverfahrens möglichst viele Tonstufen von Hellweiß bis Tiefschwarz wiederzugeben. In kommerziellen Druckverfahren, bei dem bei fotographischen Motiven meistens auf hochglänzenden Papieren gearbeitet wird, gelingt das in einem hohen Maß, weil die Druckpunkte auf dem bedruckten Papier kaum verlaufen (wenig Druckpunktzuwachs) und die glänzende Oberfläche des Papiers eine Farbtiefe simuliert, die die Druckfarbe selbst gar nicht erzeugen kann. Bei ungestrichenen, also matten Papieren ist man hinsichtlich der Wiedergabe von Differenzierungen und Farbtiefe etwas eingeschränkt. Im kommerziellen Druck sieht man das deutlich am Zeitungsdruck.

Zeitungspapier ist vergleichbar in der Saugfähigkeit mit Tiefdruckpapier. Anders wie gestrichenes Papier (das für den künstlerischen Tiefdruck nicht geeignet ist), saugt das Papier die aufgebrachte Druckfarbe ein, was zu einer Vergrößerung der Druckpunkte, also einen deutlichen Druckpunktzuwachs, führt. Besonders in dunklen Bereichen eines Bildes ab etwa 70 % Schwarz führt das dazu, dass die Flächen dazu neigen “zuzugehen”, und optisch viel weniger Differenzierungen zeigen wie im Motiv und der Druckplatte definiert sind. Besonders dunkel gehaltenen Motive erscheinen dann schnell wie eine Fotokopie und verkieren an Räumlichkeit.

Im Zeitungsdruck wirkt man diesem Effekt oft entgegen, indem man den Schwarzpunkt eines Bildes von 100 % auf z.B. 90 % Schwarz heruntersetzt. Zugunsten von mehr Differenzierungen im Bild verzichtet man auf das drucktechnisch tiefstmögliche Schwarz.

Bei der Photopolymer Gravure ist das ähnlich. Wenn Sie “nur” ein Motiv erzeugen wollen, dass streng in 100 % Schwarz und 0 % Schwarz differenziert ist, also ein rein graphisch holzschnittartiges Motiv, können Sie die Druckplatte sehr unbekümmert in die Tiefe ätzen. Auch ein leicht zu starkes Sodabad ist für solche Motive geeignet. Schnell werden Sie eine Einstellung finden, das ein sehr tiefes Schwarz erzeugt, das auch dem tiefsten Schwarz Ihrer Inkjetdruckers überlegen sein wird. Streng genommen haben sie dann die Platte “überätzt”. Für monochrome Farbflächen ist das die richtige Vorgehensweise.

Wenn Sie aber diese gefundenen Einstellungen auf einen Graukeil, der möglichst viele Feinheiten zeigen soll, übertragen werden sehr wahrscheinlich unruhige Flächen in den helleren Bereichen sichtbar werden und Differenzierungen in den dunkleren Bereichen fehlen. In der Praxis bedeutet das, daß Sie durch Probeätzungen nach einem guten Kompromiß suchen müssen, bei dem Sie ein solides Schwarzes erzeugen, ohne die anderen Differenzierungen im Bild zu gefährden.

Bei einer Arbeit in differenzierten Tonstufen ist es möglich ein genauso tiefes Schwarz wie bei absolut monochromen Arbeiten zu erreichen. Allerdings ist das nur möglich, wenn alle Faktoren wie Ätzzeit,Belichtungszeit, Konzentration der Sodalösung und Raumtemperatur in einem absolut idealen Verhältnis aufeinander abgestimmt sind. In meiner Arbeitspraxis unterscheide ich deshalb zwischen Tonwertmotiven (also Fotovorlagen) und monochromen Vorlagen in der Arbeitsweisen. Bei Fotovorlagen gebe ich mich mit dem tiefsten Schwarzwert etwa dann zufrieden, wenn ich im Druck ein 90 %iges Schwarz im Verhältnis zu dem Schwarz, das in der Technik möglich ist, erzeugt habe. Bei rein flächigen Arbeiten erstelle ich dagegen aggessiver geätzte Platten, die im Vergleich sichtbar dunkleres Schwarz zeigen, derren Druckpartien auch spürbar rauher sind.

Ein Graukeil für den Fotodruck im direkten Vergleich mit einer Zeitungswerbung. Die Vergleichspartie zeigt bei der Zeitungwerbund ein Tiefschwarz von etwa 89 %, während das Schwarz des Graukeils mit etwa 93 % leicht überlegen ist.

Ein Graukeil für einen Flächendruck im direkten Vergleich mit einer Zeitungswerbung. Mit 98 % Schwarz setzt sich der Graukeil deutlich von der Zeitungwerbung ab. Allerdings sieht man an den nur sehr grob definierten Grauwerten des Teststreifens, daß diese Einstellungen für die Anwendung auf ein differenziertes Bild nicht geeignet wären.

Wenn es der unbedingte Wunsch ist ein Fotomotiv mit maximalen Schwarz zu erreichen halte ich es für einfacher mit zwei Druckplatten zu arbeiten, statt so lange zu experimentieren bis die absolute Idealeinstellung gefunden ist, was tatsächlich sehr langwierig sein kann. In diesem Fall geht man wie folgt vor:

Die erste Druckplatte wird entsprechend den Werten eines guten Graukeils erstellt. Jetzt wandelt man in Photoshop das SW-Bild in ein CMYK-Modus um. Anschließend werden alle Kanäle, außer dem Schwarzkanal (also K-Kanal) wieder gelöscht und das verbleibende Bild wieder in ein Graustufenbild umgewandelt. Übrig bleibt ein Motiv, das sich ausschließlich auf die Helligkeitswerte ab eta 50 % Schwarz bezieht, also ein stark “überbelichtetes” Bild.
Dieses Bild wird wieder entsprechend den Werten des Graukeils in Photoshop bearbeitet und genauso wie die erste Platte als Druckplatte fertiggestellt.

Im paßgenauen Überdruck ergibt sich ein Druckbild, das die Schwächen in den dunklen Bildbereichen kompensiert, während die hellen Bildbereiche wie gehabt stehen bleiben.

Übertragung des oberen Graukeils auf ein Motiv von Moritz Lang

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