Direct-to-plate

Bei dieser Technik wird das zu druckende Bild mit dem Inkjetdrucker direkt auf die Druckplatte gedruckt, dann belichtet und wie üblich in die Tiefe “geätzt”. Der klare Vorteil gegenüber Kontaktkopie ist, dass Druckpunkte von Licht nicht mehr unterwandert werden können, man zudem auf eine Vakuumvorrichtung für das Belichten verzichten kann, weil ja gar nichts mehr zusammengepreßt werden muß. Es vereinfacht und verkürzt die Übertragung von Motiven auf die Druckplatten. Die Technik von Don Messes ermöglicht zudem eine ungewöhnlich lange Belichtungszeit von 2 Minuten unter direkten Sonnenlicht.

Auf der Site

www.photopolymergravure.com

finden Sie Beschreibungen, Videos und realisierte Drucke in dieser Technik.

Don Messec entfernt bei seiner Technik die obere Schutzfolie auf der präparierten ImageOn-Platte und druckt das Bild direkt auf die photoempfindliche Schicht. Die Druckerfarbe löst sich von alleine im Sodabad und blockiert auch den Auswaschvorgang nicht. Nachdem ich die sehr überzeugenden Drucke auf der homepage von Messec gesehen hatte, wollte ich die Technik unbedingt ausprobieren.

Photopolymergravure direct-to-plate

Druckplattengröße: DIN A4. Direkter Druck mit Epson 3880 auf die Photopolymerschicht des ImagOn-Film. Eine Belichtung von ca. 60 Belichtungseinheiten und normale Entwicklung im sodabad für 9 Minuten.

Dies waren die ersten beiden Probedrucke, die ich ohne große Mühe herstellen konnte. Allerdings stellten sich bei den ersten größeren Platten Probleme ein, die ich nicht ohne weiteres lösen konnte. Ich verwende einen Epson 3880 Drucker mit dem Standardtintenset. Wenn ich nur Matte Black drucke und den Schwarzpunkt der Motive von 100 % auf etwa 60 % reduziere, kann ich direkt auf die fotoempfindliche Schicht drucken. Wenn ich den Schwarzpunkt tiefer setze laufen die Druckpunkte zu geschlossenen Flächen zusammen, die im Druck eine weiße Fläche ergeben. Das Inkjetdruckbild bleibt also relativ feucht mit sichtbar vergrößerten Druckpunkten auf der Platte stehen. Das ist kein Problem, weil die Probedrucke trotzdem ein überzeugendes, der Kontaktkopie hinsichtlich Weichheit überlegenes Druckbild gezeigt haben. Bei größeren Druckplatten gingen aber die Transporträder des Druckers direkt durch die noch feuchte Farbe und haben sichtbare Spuren im Bild hinterlassen. Deshalb experimentierte ich an einer eigenen Variante der direct-to-plate Methode.

Im Internet fand ich einen Beitrag eines Fotografen der Transparentfolien mit Haarspray beschichtete, weil er mit den angebotenen Inkjetprodukten nicht zufrieden war. Ich hatte wenig Hoffnung, dass sich das auf meine Technik übertragen ließ, probierte es aber trotzdem aus. Ohne die Schutzfolie von der ImageOn-Platte zu entfernen besprühte ich die Platte mit Haarspray (DreiWetterTaft-Extra Stark). Zu meiner Überaschung blieb das Bild in allen Details ohne Druckpunktverlauf auf der Platte stehen. Jetzt konnte ich das Bild belichten, die Schutzfolie zusammen mit darauf aufgebrachten Bild entfernen und die Platte im Sodabad entwickeln. Hier die erste Probe:

Photopolymergravure direct-to-plate

Plattegröße ca. DIN A5. Die Platte wurde mit Haarspray beschichtet ohne die dünne obere Schutzfolie vorher zu entfernen. Der Schwarzpunkt des bildet wurde auf etwa 80 % verschoben und dann direkt mit Epson 3880 bedruckt.

Unerwartet habe ich eine für diese Technik sehr gut brauchbare Inkjet-Beschichtung gefunden. Die Technik hat folgende Vorteile:

  • Die Technik ist sehr einfach. Ich sprühe die Platte zweimal mit einer dünnen Schicht Haarlack ein und lasse diese nach jedem Besprühen ein paar Minuten lang trocknen bis sie nicht mehr klebt. Die Schicht muß nicht besonders gleichmäßig aufgetragen werden, braucht also keinen industriell sauber aufgetragenen Charakter, um gut zu funktionieren. Unabhängig von der punktuellen Dicke der aufgebrachten Schicht verhalten sich die Druckpunkte auf dem Haarlack gleich.
  • Ich verwende 0,5 mm dünne Polysterolplatten als Trägermaterial für den ImageOn-Film. Diese Platten kann man auch gefahrlos durch einen weniger professionellen Drucker schicken, bei dem das Bedrucken von flachen starren Flächen nicht möglich ist.
  • Den Schwarzpunkt einer Bildvorlage können Sie aufgrund des sehr engen Kontakts zur Polymerschicht sehr tief setzen. Bei meinem Drucker kann ich 100 % Schwarz noch bis beinah 90 % Schwarz definieren, ohne dass durch Unterätzung offene weiße Flächen im Druck entstehen. Damit wird für den Tiefdruck ein sehr weites Tonwertspektrum erhalten, das relativ große Toleranzen bei der Belichtungszeit der Platten erlaubt.

Zusammenfassung

In der Zwischenzeit habe ich schon einige Tests mit direct-to-plate mit verschiedenen Druckern und auch verschiedenen Haarsprays gemacht. Immer konnte ich schnell zu brauchbaren Drucken kommen. Ich bin sicher, dass jeder mit kleinen Anpassungen an sein Druckersystem eine eigene Variante der Methode finden kann. Wenn sie z.B. die nachweißlich schädlichen Inhaltstoffe von Haarspray ablehnen, bieten Ihnen eventuell Haarspray aus Pumpflaschen oder schon vorgefertigte Inkjetschichten, die zum Aufstreichen oder Rollen auf glatte Materialien konzipiert sind, eine Lösung.

  • Sollten Sie einen schlechten Ausdruck vom Inkjetdrucker bekommen, können Sie Bild samt Beschichtung mit Spiritus wieder abreiben und die Platte neu beschichten.
  • Sollte die Platte etwas schief eingezogen werden, lassen Sie die Druckfarbe gut trocknen. Dann können Sie an einer Papierhebelschere die Platte entsprechend des aufgedruckten Motiv gerade trimmen. Nach dem Auswaschen und Aushärten der Platte ist das nicht mehr so gut möglich, weil dann der spröde gewordenen ImageOn-Film stark zum Absplittern an den Rändern neigt.
  • Denken Sie bei direct-to-plate immer daran, dass das Motiv vor dem Bedrucken der Platte gespiegelt werden muss, damit es im entgültigen Druck wieder seitenrichtig erscheint.
Advertisements

One thought on “Direct-to-plate

  1. Pingback: Druck Samstag | SANDER KUNSTDRUCK

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s