Doppelbelichtung

Will man beim Tiefdruck dunkle Flächen drucken, müssen diese aufgerastert werden, damit sie beim Druck die Farbe halten können. Ein Aquatintascreen ist eine transparante Folie, auf die eine enge unregelmäßige Struktur aus lichtdichten Punkten aufgebracht wurde. Diese Folie wird für Doppelbelichtungen der Druckplatten verwendet.

Aquatintascreen

Hier ein Aquatintasceen auf dem Leuchttisch. In der kleinen Linse der Lupe kann man deutlich die einzelnen Druckpunkte erkennen.

Im ersten Belichtungschritt wird wird die gesamte Platte in Kontaktkopie belichtet. Würde man die Platte nach diesem Arbeitsschritt entwickeln, ergäbe sich im Druck ein gleichmäßig tiefschwarzes Druckbild.

Im zweiten Belichtungschritt wird wird das eigentliche Motiv auf die Platte belichtet. Jedes Material mit ausreichender Deckkraft kann jetzt ohne weitere Vorbereitung auf die “vorgerasterte” Platte übertragen werden. Ohne die Vorbelichtung mit dem Aquantintascreen würden dunkle Flächen als gräulich weiße Flächen dargestellt werden, weil sie nur an den Rändern der dunkel definierten Flächen ein wenig Druckfarbe halten könnten.

Die Doppelbelichtung mit Aquatintascreen ist also für alle Belichtungen praktikabel, die im Vorfeld am Computer nicht gerastert werden können. Sehr gut beschriebene Anleitungen, meist für malerische Anwendungen für diese Technik finden auf:

http://www.nontoxicprint.com/beginnerscompendium.htm

Weiter werden hier weitgehend alle Fragen für den Umgang mit ImageOn Film beantwortet.

Quellen für Aquatintascreen

Alle Anbieter für ImageOn Film bieten auch Aquatintascreen in verschiedenen Größen an. Der einzige deutsche Anbieter:

www.oktogon-printart.de

Aquantintascreen selbst herstellen

Sie können an Ihren eigenen Drucker eine dunkelgraue Fläche von z.B. 75 % Schwarz anlegen, diese auf klarer Inkjetfolie im „Nur-Schwarz-Modus“ ausdrucken und diese Folie als Aquantintascreen verwenden. Natürlich muss man vorher durch einen Graukeil, der z.B. zwischen 60 und 90 % schwarz angelegt ist ermitteln, wo der Schwarzpunkt genau liegt, der später im Druck das maximale Schwarz darstellen soll (siehe Arbeiten mit Graukeilen).

Einen besseren, also lichtdichteren Aquatintascreen, erhalten Sie, wenn Sie von einer Reproanstalt eine dunkelgraue Fläche an einem Imagesetter als FM-Raster ausbelichten lassen. Imagesetter werden nach wie vor verwendet, um Motive auf fotograhische transparente Filme zu rastern und sehr lichtdicht zu übertragen.

Wie in anderen Kapiteln beschrieben gibt es nicht sehr viele Anbieter, die Filme mit FM-Raster anbieten, weil der FM-Raster in Kontaktkopie nur selten verwendet wird (siehe Raster).

Zuletzt habe ich 2011 ein paar sehr gute Filme mit FM-Raster von

http://www.belgravur-bvm.de/

belichten lassen. Auch hier müssen Sie erst durch das Ausbelichtenlassen eines Graukeils „Ihr“ masximales Schwarz ermitteln.

Arbeiten mit dem Aquatintascreen

In einem ersten Arbeitsschritt müssen Sie herausfinden, wie Sie mit ihren Screen ein möglichst tiefes Schwarz erreichen können. Das geht am besten mit einer stufenweise Probelichtung.

1.Schneiden Sie von einer ImageOn-Platte einen Streifen von circa 5m Höhe und 30cm Länge ab. Jetzt markieren Sie 10 gleich große Abschnitte mit einem wasserfesten Marker auf dem Teststreifen.

Nehmen wir an, bislang haben Sie gute Erfahrungen mit Ihren Belichter bei 60 Belichtungseinheiten gemacht. So könnten Sie in diesen Fall den Teststreifen mit in die Abschnitte 50,55,60,65,70,75,80,85,90 une 95 BE (Belichtungseinheiten) einteilen. Beschriften Sie die Druckplatte entsprechend Ihrer Schätzung.

teststreifen Photopolymerdruck

Teststreifen wird mit Edding in 10 gleiche Abschnitte unterteilt. Die Beschriftung direkt auf der Druckplatte wird später im Druck sichtbar bleiben und vermeidet Verwechslungen bei mehreren Teststreifen.

2. Legen Sie den Streifen unter den Belichter. Darauf kommt mit der Schichtseite zur lichtempfindlichen Platte der Aquantintascreen . Die Schichtseite ist ein wenig rauher und matter. Wenn es bei Ihren Screen nicht leicht ist die Schichtseite zu identifizieren, können sie die Folie z.B. dadurch markieren, dass Sie oben recht eine kleine Kante von der Folie abschneiden . Wenn man sich jetzt angewöhnt den Screen immer mit der abgeschnittenen Kante oben rechts auf die zu belichtende Platte zu legen, kann ein falsches Auflegen des Screens nicht mehr passieren. Das Auflegen mit der Schichtseite zur fotoempfindlichen Platte ist wichtig, um einen denkbar engen Kontakt zwischen Druckplatte und den Druckpunkten zu erreichen.

Aquatintascreen Belichtung

Der gesamte Teststreifen wird in der Vakuumvorrichtung unter dem Aquatintascreen belichtet.

3. Belichten Sie den gesamten Streifen entsprechend Ihrer am niedrigsten festgelegten Belichtung.

4. Lassen Sie den Teststreifen nach der ersten Belichtung unter der Vakuumvorrichtung des Belichters. Decken Sie den ersten Abschnitt (in diesem Fall „50“) mit einer lichtdichten Pappe ab und stellen Sie Ihren Belichter auf 5 Belichtungseinheiten ein. Belichten sie den Streifen weitere 5 Belichtungseinheiten weiter.

Doppelbelichtung mit Aquatintascreen

Nach und nach werden die Teilstücke um je 5 Belichtungseinheiten länger belichtet.

5. Decken sie jetzt Stück für Stück Ihren Streifen weiter ab und  belichten sie jedesmal wieder 5 Belichtungseinheiten weiter. Am Schluß ist Ihr Teststreifen entsprechend der Markierungen belichtet.

Belichtung Aquatintascreen

Die Belichtung des letzten Teilbereiches auf 95 Belichtungseinheiten.

6. Entwickeln sie den Teststreifen wie üblich 9 Minuten lang in der Sodalösungen. Anschließend Fixieren mit Essig und finales Aushärten unter dem Belichter oder direkten Sonnenlicht.

7. Drucken Sie den Teststreifen. Wenn Sie mit Ihrer Belichtungschätzung richtig lagen, werden mehrere Teilflächen ein tiefes Schwarz drucken. Das Feld mit dem tiefsten Schwarz gibt Ihnen die Refenzbelichtungszeit für die erste Belichtung bei einer Doppelbelichtung an. Sollte der Streifen nur weiße bzw.graue Flächen drucken ist er entweder stark über- oder unterbelichtet. Optisch ist eine Überbelichtung von einer Unterbelichtung kaum zu unterscheiden. Wenn sie also einen ergebnislosen Teststreifen belichtet haben ist der schellste Weg einen neuen Teststreifen herzustellen, in dem Sie dann aber die Belichtungsintervalle deutlich erhöhen, z.B. auf 15 Belichtungseinheiten pro Abschnitt. So sollten Sie sehr schnell eine Belichtungszeit finden, in dem ein Aquatintakorn auf der Platte bildet, das ein solides Schwarz im Druck erzeut. Mit einen weiteren Teststreifen können Sie dann wieder mit engeren Belichtungseinheiten die Belichtungszeit genauer eingrenzen.

Tipp: Auf noch druckfeuchten Papier ist der Druck immer dunkler und etwas kontrastreicher. Trocknen Sie erst z.B. mit einem Fön Ihren Teststreifen, dann können Sie die entstandenen Grauwerte objektiver bewerten.

Alternative Technik für einen Aquantintascreen

Die Idee des Aquatintascreens leitet sich direkt aus des traditionellen flächigen Techniken des Tiefdrucks ab. Bei der Heliogravure (traditionelle fotographische Tiefdrucktechnik) z.B. wird die Druckplatte aus Metall nach wie vor mit einem feinem säurefesten Staub aus Asphalt eingestäubt und vor der Ätzung im Säurebad eingebrannt, damit sich mit der Ätzung eine Körnung in der Platte bildet, die die Druckfarbe flächig halten kann. Deshalb ist es durchaus praktikabel diese traditionelle Idee auf heutige lichtempfindliche Platten anzuwenden. Wer keinen Aquatintascreen zur Hand hat oder noch keinen Screen gefunden hat, mit dem er zufrieden ist kann wie folgt vorgehen:

In der einfachsten Variante füllt man einen Stoffbeutel aus sehr feinem Gewebe z.B. mit grafischen Ashalt. Durch schütteln des Beutels versucht man auf der Druckplatte eine möglichst gleichmäßige Staubschicht aufzutragen. Die bestäubte Platte kann jetzt direkt belichtet werden und erfüllt exakt die gleiche Aufgabe wie der Aquatintascreen. Nach dem Belichten wird die Staubschicht einfach abgewischt oder gewaschen und die Platte ist bereit für die eigentliche Motivbelichtung. Anders wie bei der traditionellen Aquatintatechnik geht es ausschließlich um die Lichtdichte des aufgestäubten Materials, und nicht um die Säureresistenz. Graphischer Asphalt, der in allen Künstlerbedarfsläden mit Kunstdruckbereich zu bekommen ist, ist dafür sehr gut geeignet. Ebenfalls kann schwarzes Tonerpulver aus einen Kopierer sehr gute Ergebnisse bringen. Weiterhin sind viele erdfarbene Pigmente sehr lichtdicht und deshalb für diese Aufgabe gut geeignet.

Will man einen sehr gleichmäßigen und in der Dichte wiederholbaren Staubauftrag erreichen muß man mit einer Staubbox arbeiten. Eine Staubbox ist nichts anderes als eine geschlossene Box in die durch eine Öfnnung die Druckplatte hineingelegt werden kann. Die Box wird mit z.B. etwas Ashalpht befüllt. Jetzt wird der Staub durch Schütteln, Drehen oder durch ein Gebläse aufgewirbelt. Danach läßt man die Druckplatte für eine bestimmte Zeit in der Box. Durch zeitliches Festlegen des Aufwirbelns und der Liegezeit der Platte in der Box läßt sich eine sehr gleichmäßige, sehr feine und relativ wiederholbare Bestäubung erreichen. Ziel ist es die Platte solang oder oft zu bestäuben, bis die Oberflächige zu circa 80 % bedeckt ist.

Das Verfahren ist ein wenig umständlicher wie das Arbeiten mit einem Aquatintascreen, kann aber zu Ergebnissen führen, die in Auflösung und Tontiefe Arbeiten mit Aquantintascreen überlegen sind.

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