Geschichte und Grundprinzip der Photopolymergravure

Die Geschichte der Photopolymergravure ist verhältnismäßig jung. 1989 entdeckte der dänische Künstler Eli Ponsaing, daß sich Flexografieplatten aus der kommerziellen Druckinsdustrie auch sehr gut zur Herstellung von künstlerischen Tiefdrucken eignen. Flexografieplatten (engl. letterpress) sind fotoemfindliche Hochdruckplatten. Sie werden mit einem Negativfilm belichtet- danach können alle nicht belichteten Stellen in einem Entwickler oder Wasser tiefgeätzt werden. Es entsteht also ein Stempel des gewünschten Druckbildes.

prinzip_d01

In der Industrie werden damit zum Beispiel Einkauftüten oder Kunststoff bedruckt, die mit anderen Verfahren gar nicht oder deutlich kostspieliger zu bedrucken wären.

ImageOn Platte

Hier eine ImageOn-Tiefdruckplatte. Ausbelichtet ist das Material Blauviolett. Im Streiflicht kann man das tiefgeätzte Bild gut erkennen.

Eli Ponsaing nutzte die Fähigkeit der Platten extrem kleine Druckpunkte in die Tiefe “ätzten” zu können und sie im Handdruck wie eine normale Tiefdruckplatte zu behandeln- die gesamte Druckplatte wird mit Druckfarbe bedeckt. Nach dem Wischen der Platte mit Lappen und Handballen bleibt für den Druck nur die Farbe in den Vertiefungen stehen, die mit sehr starken Druck auf Büttenpapier übertragen werden kann.

Diese Entdeckung ist insofern für den Kunstdruck revolutionär, weil diese Herstellungsmethode der Platte bei weitem einfacher, schneller und gesundheitsfreundlicher als alle traditionellen Techniken in diesen Bereich ist. Das anspruchsvolle Übertragen von fotografischen Motiven war bis dahin nur mit der Heliogravure möglich – ein sehr aufwendiges Tiefdruckverfahren, das jetzt nach und nach ausstirbt.

Dan Welden kommerzialisierte die Idee von Eli Ponsaing, indem er Flexodruckplatten unter dem Namen Solarplates für den künstlerischen Tiefdruck nach wie vor anbietet. Diese Platten haben eine verhältnismäßig dicke Polymerschicht. Somit wird es möglich, das Prinzip Hoch- und Tiefdruck auf ein und der selben Druckplatte zu kombinieren.

Ebenfalls etwa 1990 arbeitete Keith Howard an einen ähnlichen Konzept. Unter der Regie von Keith Howard stellt die Firma Dupont den dünnen Fotopolymerfilm ImageOn Ultra Hd her. Dieser fotoempfindliche Film kann auf jedes beliebige glatte Trägermaterial laminiert werden. Genau wie eine Flexografieplatte wird dann die Platte mit einem positiven Film belichtet und dann in einer Sodalösung in die Tiefe geätzt. Wegen der fehlenden Dicke ist dieser Film für die Herstellung von Hochdruckplatten nicht geeignet, allerdings können damit photographische Motive in hervorragender Qualität widergegeben werden. Der ImageOn Ultra Hd kostet etwa nur ein Zehntel im Vergleich zu Flexographieplatten.

Andruck

Hier ein Druck der Platte. Man sieht deutlich die Prägung im Papier, die durch den hohen Druck der Radierpresse entsteht.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s